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Samstag, 23. Mai 2009

EU-Wahl - ÖVP: Der Feind im eigenen Bett.

Über die gefühlten 200 Slogans der ÖVP zur anstehenden EU-Wahl, habe ich hier bereits geschrieben. Ebenso über die eigenartige Strategie, sich durch zwei Spitzenkandidaten Fokussierung und Aufmerksamkeit zu nehmen. Doch wie hier mit Othmar Karas umgegangen wird, kann nur durch mir unbekannte, interne Gründe erklärt werden, die sicher einmal in seiner Biographie veröffentlicht werden (wenn´s dann keinen mehr interessiert, schade...)

Auf was ich hier hinaus will, ist jedoch etwas anderes: Spätestens seit Luhmann wissen wir, dass uns Werbung nicht nur manipuliert, sondern dass auch die Werbung weiß, dass wir wissen, dass sie uns manipuliert und es daher wenig Sinn macht, die eigenen Interessen durch Verschleierungstaktiken zu verhüllen.
Spannend wird die Sache, wenn die Werber ihre eigenen Botschaften nicht mehr glauben und hoffen, die Zielgruppen überzuckern es nicht... Erkennbar sind solche Situationen z.B. an weit auseinanderklaffenden Text-Bild-Scheren.

Peter-Dietrich_Karas_Strasser

Das Bild zeigt: Othmar Karas, als schmächtiges, schüchtern lächelndes Männchen, das erst in seinen zu groß gekauften Anzug reinwachsen muss. Die Botschaft dazu lautet: „Unsere Kraft. In Europa“ ?!?

Noch irrwitziger wird die Sache, wenn dann am nächsten Plakat der zweite Spitzenkandidat, Ernst Strasser, lauert. Positioniert wie ein voll im Saft stehender, testosteronschwangerer Preiscatcher.

Einziger Kommentar meinerseits: Autsch!

Mobilisierung für EU-Wahl: Der Rettungsanker in den Untergang?

"Experten wagen kaum Prognosen“ meldet der Standard. Das Dilemma der Meinungsforscher vor der kommenden EU-Wahl trifft orf.at genau auf den Kopf: „Meinungsforscher vor EU-Wahl ratlos“.
Doch eigentlich ist das erst in zweiter Linie ein Dilemma der Meinungsforscher. Das eigentliche Problem haben die wahlwerbenden Parteien.
Mobilisierung ist das Stichwort und genau darauf reduziert sich die Kommunikation zwischen Parteien und Bevölkerung - jeweils ein paar Wochen vor jeder Wahl. Einer guten Mobilisierungs-Kampagne geht professionelles Issues-Management voraus. Es geht um Anschlussfähigkeit, an brennende Themen, Ängste und Fragen. Wo kann von Seiten der Politik das Gefühl vermittelt werden, ich verstehe dich und nehme dich ernst? Welche Lösungen dann angeboten werden, ist schon nicht mehr Teil der Mobilisierung....

Über das unsägliche A-Team der SPÖ und die Jeanne-d-Arc-isierung der Grünen wurde schon genug geschrieben und diskutiert; wundern tut´s mich immer noch?!? Die ÖVP tritt gleich mit - gefühlten - 200 Slogans, verteilt auf zwei Spitzenkandidaten an?!?
Wenn sich alle auf eine Mobilisierungsschlacht einlassen, darf man sich nicht wundern, wenn am Ende der gewinnt, der am besten Mobilisieren kann.

Weblog von Peter Dietrich

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